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Geschrieben von Sorian
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Montag, 2. Juli 2007 |
Es gibt durchaus wichtige Dinge im Leben. Sex ist wichtig für den Körper, die Hormone und den Geist. Essen ist wichtig, für den Körper, den Geist und die Seele. Fußball ist wichtig und zumindest im Ruhrgebiet - der erfürchtig ergrauten und dann ergrünten alten Dame, die sich längs des Ruhrschnellwegs drängt - für viele Menschen sogar ein Lebensinhalt. Ein Grund aufzustehen und die Hoffnung nicht zu verlieren. Effektiver als Drogen und Alkohol, mit aber ähnlichen Nebenwirkungen. Samstags den Schal umzubinden ist hier die gewohnte Beschäftigung Tausender. Ob auf Schalke, der Südtribüne oder am Eierberg. Die Rituale gleichen sich. Die Begeisterung ist ähnlich auch wenn die Vereinsliebe prismagleich auseinanderfächert. Das Mitfiebern und Mitleben wurde hier in den Orten und Städten meiner Heimat aufgefangen und kultiviert. Auch die Vorfreude auf große fußballerische Ereignisse ist hier geboren und groß geworden. Das alles beschränkt sich aber nicht auf das Ruhrgebiet. Nicht auf ein Fleckchen Erde. Es zieht sich durch das Land, wie ein roter Faden. Was dem Ruhrpöttler seine tiefverwurzelte Leidenschaft ist dem Rheinländer sein Politikum. Eingeklemmt zwischen Fanerwartung und Kölner Express. Im Süden der Republik ist alles nur eine Frage des Geldes. Der Kobold namens Uli hat sich erst kürzlich von seinem Goldkessel erhoben und mächtig Umsatz gemacht.
Der geneigte Leser wird sich jetzt fragen, was meine lange Einleitung denn wohl zu bezwecken hat.
Nun, der Grund ist einfach: In Klagenfurt sind die Lichter ausgegangen.
Genauer und trauriger ausgeführt: Die Countdown-Uhr zur EM 2008 ist
nicht mehr. Kaputt, erloschen und nicht mal stehen geblieben. Gerade
bog ich aus Richtung Einkaufszentrum kommend auf den Alten Platz ein
und sinnierte darüber, welcher Flachbildschirm es denn nun sein möge,
als mein Blick auf die Countdown-Uhr fiel. Und vergeblich nach Bewegung
suchte. Und keine Ziffern fand. Einfach ausgegangen das Teufelsding.
Oder wurde sie von genervten Bürgen einfach ausgestellt, da sie eh nicht die richtige Urhzeit anzeigte? Na, seit der
hiesige Stromanbieter kein Hauptsponsor mehr beim lokalen
Bundesligisten ist, scheint selbst das mit der Stromversorgung nicht
mehr zu klappen.
Kopfschüttelnd dachte ich an meine
schwarzgelben Tage in Dortmund zurück. An die Zeit vor der WM in
Deutschland, als sich Hundertausende darum geschlagen hätten, den
Countdown per Hand sekundenweise weiter zu drehen. Kärnten ist anders! Klagenfurt auch! Würde man Fußball auf Skiern und im Winter spielen, sähe die Sache anders aus. 55% aller Österreicher haben Angst vor der EM. Ebenso viele wahrscheinlich auch vor der Countdown-Uhr. Beim Aufschließen
meiner Wohnungstür kam mir Opa Krawulschnig aus dem vierten Stock
entgegen. Ich sprach ihn auf den Countdown und die EM an. Nach einigem, von Speichelregen begleitetem Lamento, bekam
ich seinen Standardspruch zu hören: "Früher hät es dos nit geben!" Fragt
sich wiederum nur was: Die EM oder eine kaputte Countdown-Uhr? Klagenfurt ist anders, Kärnten auch. Die Countdown-Uhr ist nicht mehr. Ruhe in Frieden. 2012 wird man sich an die EM im kommenden Jahr als die beste seit langer Zeit erinnern. Dann findet das Fußballereignis in Polen und der Ukraine statt. Erst dann wird der Glanz der EM 2008 richtig zu Tage treten.
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