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Aw: Re: Dreht Euch nicht um......die Insolvenz...
Maazel 12.05 2010 21:57
Aw: Re: Dreht Euch nicht um......die Insolvenz...
Maazel 10.05 2010 00:36
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Karl_S 04.03 2010 19:46
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Maazel 10.02 2010 08:40
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Maazel 03.01 2010 10:48
 
Kuscheln in der Quickiebox
Geschrieben von Sorian   
Sonntag, 5. August 2007
ImageDie Geschichte hat etwas von einer Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt. Und vom Fernsehprogramm: Sie wiederholt sich zum Teil in noch kürzeren Abständen als die berüchtigten ausgelutschten Hollywood-Massenproduktionen aus den Achtzigern auf Kabel 1. Die Angst grassiert in Kärnten. Die pure und nackte Angst. Perfider Auslöser der alptraumdurchhaften Nächte ist das Geschäft mit der Lust, der käuflichen Liebe während der Europameisterschaft in Österreich. Von karawanengleichen Völkerwanderungen liebes- und zweifelsohne auch geldtoller weiblicher Horden aus dem Osten wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Von Myriarden VW-Bullis, die - augestattet mit roten Lämpchen, zum Zeichen des Vergnügens - alle nur erdenklichen Freiflächen Kärntens säumen werden. Schon vor der WM 2006 in Deutschland ängstigte dieses koitale Gedankengut. Von 30.000 bis 40.000 zusätzlichen Liebesdienerinnen wurde gemunkelt, von Zwangsprostitution und von leichten Mädchen, die ehrbaren Schwarzhändlern die Plätze vor den Stadien streitig machen könnten. Und dort ist der Punkt, an dem die Katze anfängt, herzhaft seinen eigenen Schwanz zu verputzen: Die Diskussion um dieses Thema ist - genau wie weiland in Germanien - hilflos bis grotesk. Um eines bereits im Vorfeld klarzustellen: Zu verharmlosen ist die Thematik nicht. Menschenhändler und auch die Könige des Rotlichts aus dem ehemaligen Ostblock sehen Österreich - auch ohne Fußball-EM - als veritables Einfallstor in den Westen. Geschätzte 5.000 Frauen werden jährlich durch das Land geschleust. Einzig die Art der Diskussion veranlasst dazu, mehr als nur eine Augenbraue zu heben. Zumal die diese - speziell in Kärnten - auf fruchtbaren Boden fällt: "Urlaub bei Freunden" (das Fremdenverkehrsmotto des Landes Kärnten, Anmerkung des Verfassers) funktioniert, solange man sich dem Land als geneigter Urlauber von Westen her nähert. Reist man von Osten her an, sollte man hin und wieder besser nach tieffliegenden zweisprachigen Ortstafeln Ausschau halten.

Komm containern, Süßer
Abstrus sind die gedanklichen Stilblüte, die dieses Thema treibt: So geistern seit Monaten wirklich bemerkenswerte Ideen durch die Köpfe hiesiger Politgrößen. Von einem Container-Dorf für Prostituierte ist da die Rede. Metallbox an Metallbox soll der Sex aufgereiht und gestapelt werden. Womöglich mit eigener Postleitzahl und Autobahnauffahrt: 9029 Popphausen am Wörthersee. Gespannt darf man sein, wie die Kärnten Werbung diese neue Attraktion vermarkten wird. Dabei hat die WM im vergangenen Jahr gezeigt, dass viel Aufhebens um wenig Effekt gemacht wurde: Zwar gab es einen Anstieg der Prostitution, die prognostizierte Überschwemmung aus den weiten Steppen des Ostens blieb aber aus. Zwei Pornokinos in der deutschen Hauptstadt zeigten lieber die WM-Spiele live als nackte Tatsachen auf der Leinwand zu präsentieren. Wohl dem, der das Geschäft erkennt, bevor es ohne ihn gelaufen ist.

Und der Gewinner ist: 4/9 Österreich
Betreffen wird dieses Problem eigentlich so und so nur vier Neuntel der Republik. Als verkündet wurde, dass Österreich und die Schweiz den Zuschlag für die Europameisterschaft erhalten werden, war die Euphorie bei den Landesvätern enorm. Jedes Bundesland, jeder Weiler und noch das kleinste Lehmhüttendorf wollten Austragungsort sein. Die Wahl fiel bekanntlich auf Wien, Salzburg, Tirol und Kärnten. Seither ist das Interesse der leer ausgegangenen Bundesländer merklich abgekühlt bis ganz verstorben. Da die EM nicht mehr zu verhindern war, findet sie in diesen Bundesländern eben schlechtweg nicht statt. Keine Werbung, kein Interesse, keine Begeisterung mehr. Vielleicht aber gibt es doch eine Möglichkeit, die verlorenen Bundesländer wieder mit ins Boot zu holen: Siedelt man das Containerdorf nicht am romantischen Wörthersee an, sondern stellt es am verkehrsunterfluteten Bindermichl in der schönen Stadt Linz auf, hat auch das Bundesland Oberösterreich - ganz ohne EM-Spiele - etwas vom Großereignis: Bumsboxen statt Ballballett, keine Hooligans (Rotlichtflaneure sind eher dezent als laut grölend) und touristische Wertschöpfung. Erstaunlich, dass diese Idee noch niemandem zuvor eingefallen ist...


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