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Aw: Re: Dreht Euch nicht um......die Insolvenz...
Maazel 12.05 2010 21:57
Aw: Re: Dreht Euch nicht um......die Insolvenz...
Maazel 10.05 2010 00:36
Aw: Tippspiel
Karl_S 04.03 2010 19:46
Aw: Liga Saison 41
Maazel 10.02 2010 08:40
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schurli00 07.02 2010 19:33
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Karl_S 29.01 2010 18:52
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Maazel 03.01 2010 10:48
 
Dem Menetekel seine Mutter
Geschrieben von Sorian   
Mittwoch, 5. September 2007
ImageJa, früher war alles besser. Herbert Prohaska hatte noch seine "Schneckerl" und seine Rotzbremse. Österreich gewann bei einer Weltmeisterschaft am 21.6.1978 in Cordoba 3-2 gegen Deutschland (Für Fußballbanausen: Nicht das ehemalige Emirat von Cordoba auf der iberischen Halbinsel ist gemeint, sondern das argentinische Gegenstück) und löst eine kollektiv-österreichische Brustschwellung aus. Anton Polster der Jüngere verzückte Fußballfans in Spanien und Deutschland als Strafraum-Schwein und Instink-Knisper. Außerdem wurde das favorisierte Österreich 1930 in Uruguay nur deshalb nicht Weltmeister, weil sie die beschwerliche Reise anderthalb Wochen per Schiff nicht auf sich nehmen wollten. Herrliche Zeiten für den alpenländischen Fußball-Fan. Und was ist geblieben?

Dreiste Piefke im TV
Günter Netzer ist ein Fußballexperte alten Schlages. Ein ausgewiesener Kenner der Szene und in der Lage, noch so defizile Sachverhalte präzise in zwei butterweiche Sätze zu gießen. Dafür lieben ihn Millionen Couch-Fußballer im deutschsprachigen Raum. Der knautschige Charme und die genuschelten Worte lassen das Bett Bett sein - aderdurchzogene Augen hin oder her. Die Spielanalyse des einstigen Fohlen-Virtuosen, der im Hauptberuf eigentlich Pop-Ikone der Siebziger war, ist nach jedem Länderspiel Pflicht. Neulich - direkt nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die wohl erfolgloseste Mannschaft seit 1966 - bekamen auch die Österreicher wieder verbale Streicheleinheiten auf das stets gequälte Haupt gedrückt. Doch die wohlig weiche und gut gemeinte Aussage des Fußball-Experten Günter war nur beim ersten Hinschauer wärmend für das Herz. Auf den zweiten Blick offenbarte sie die ganze Tragik der Causa "EM 2008" (Wortschöpfung des Autors, man möge ihm dies verzeihen). Auf die Frage des ARD-Moderators, ob die Europameisterschaft im Nachbarland Österreich denn wohl auf ähnliche Euphorie stoße, wie die Weltmeisterschaft im heimischen Deutschland, zuckte Fast-Fußball-Weltmeister Netzer nachdenklich mit der linken Augenbraue. Erst dann setzte er zu einer, in seiner Präzision kaum zu überbietenden Antwort an: "Die Österreicher halten nichts von ihrer Nationalmannschaft! Doch alle, die die Europameisterschaft planen und veranstalten freuen sich auf das Fußballfest." Ergo: 120 österreichische Fußball-Funktionäre, mit rot-weiß-roten Schals und Fahnen bewaffnet, werden die Alpenkicker zum Europameisterschaft-Titel schreien. Der Otto-Normal-Österreich währenddessen blättert jeden Tag hastig durch die "Kronen Zeitung", um die neuesten Horror-Meldungen über die Hickersberger-Truppe zu studieren. Ein Aufschrei der Empörung - sonst üblich wenn der germanische Nachbar den Mund zu ösischen Belangen auftut - blieb überraschenderweise aus. Keine Leserbriefe, kein Boykott von deutschem Toilettenpapier. Stille ist die Mutter der EM-Kiste.

Die dicken Kindern von Klagenfurt
Mit einigem medialen Tamtam wurde jüngst der EM-Botschafter der Stadt Klagenfurt eingeführt. Niemand geringeres als Leverkusens Ex-Manager Rainer Calmund wird bis zum Juni nächsten Jahres Werbung für die hedonistischen Belange, Verzeihung, für die fußballerischen Belange des Austragungsortes Werbung machen. Was Fachkompetenz in Sachen Fußball suggerieren soll, kann ebenso gut nach hinten losgehen und als Warenpräsentation eines heimischen Wurstwaren-Spezialisten missverstanden werden. Schon der erste Werbesatz Calmunds während seiner Inthronisierung ließ Rhein-affine Zuhörer glücklich kichern: "Jott weiß, dat Klarjenfurt an Fleckschen Erde is, wo wat man jerne lebt." Die Journaille war ein einziges Staunen, ob der orthografischen Fallstricke bei der Wiedergabe dieses Zitats. Ob der Satz im heimischen Fernsehen mit Untertitel gelaufen ist, ist nicht bekannt. Sehr wohl anzunehmen ist aber, dass die Entscheidung, Rainer Calmund als Botschafter für das Speck und Jausen-Land Kärnten zu verpflichten sicher ein Glücksgriff gewesen ist. Niemand anderes verkörpert die Lebenslust so, wie der gewichtige Rheinländer. Außer vielleicht Ottfried Fischer, aber der ist nun wirklich zu unsportlich. Geeignete Kandidaten fehlen: Franz Klammer fährt Ski und ist höchstens noch den älteren Semstern in Deutschland ein Begriff. Ingeborg Bachmann ist leider tot und Arnulf von Kärnten schon zu lange her. Bleibt also nur ein lebensfroher und omnipräsente Clamund, der zwar in Deutschland bekannt wie ein bunter Hund ist, von dem in Kärnten aber noch nie jemand gehört hat.

Sitzen kannst Du zuhause!
Nun, in wenigen Stunden wird das Klagenfurter EM-Stadion seiner Bestimmung übergeben. Neben dem Ländermatch zwischen Österreich und Japan wird dem Besucher auch eine siebenminütige Eröffnungsshow erwarten. Dazu wurde ein namhafter Choreograph, dessen Namen dem Verfasser akuterweise entfallen ist, verpflichtet. Auf dem Programm stehen japanische Trommeln und Feuerwerk. Probleme gibt es allerdings sowohl mit den Sitzgelegenheiten als auch mit dem Verkehr. Auf der Internetseite und im Magazin der Stadt wird darum gebeten, doch bitte entweder per Fahrrad, Taxi oder doch gleich zu Fuß zu kommen. Grund dafür ist die Furcht vor dem absoluten Verkehrs-Infarkt in und um Klagenfurt und der Mangel an fertig gestellten Parkplätzen. Nur die VIPs dürfen bis vor das Stadion fahren. Unverständlich: Der Bürgermeister residiert direkt in der Innenstadt und könnte locker mit dem Rad zum Event gestrampelt kommen. Und auch der Landeshauptmann hätte eine zwar fordernde aber doch schaffbare Strecke aus dem Bärental per Rad zu absolvieren. Viel schlimmer wiegt auch eher das Malheur mit den Sitzgelegenheiten im Stadion: Immer noch fehlen gut 7.000 Sitzschalen, die auch am Freitagabend nicht montiert sein werden. Grund dafür ist ein marginaler Fehler bei der Produktion: Aus Kostengründen wurden die Sitzunterlagen in China bestellt (Schreit Ihr Exportbeauftragten der Wirtschaftskammer! Mögen heimische Firmen am Bau des Stadions partizipieren! Alle Mann auf die Barrikaden!). Leider gingen die Macher im Reich der Mitte bei der Herstellung der Sitze vom durchschnittlichen Gewicht eines Asiaten aus und sparten sich 150 Tonnen Stahl. Dass einmal Rainer Calmund auf einer kommunistischen Sitzschale Platz nehmen würde, hatte niemand einkalkuliert. Aber auch der normalgewichtige Kärntner hätte die Unterlage mit seinem Sitzgewicht zum Zerbrechen verurteilt. So gibt es zur Eröffnung einen Stehplatzrang, der wohl auch zum ersten richtigen Austria Kärnten-Heimspiel erhalten bleibt.

Um am Ende Günter Netzer noch einmal das Wort zu erteilen: "Franck Ribery spielt nicht umsonst in München und nicht in Österreich." In diesem Sinne: Hopp Schwyz, hopp!

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